Die Geschichte von McNulty fortepianos ist untrennbar mit dem persönlichen Werdegang ihres Gründers Paul McNulty verbunden. Ein kürzlich veröffentlichtes Interview in einer europäischen Fachzeitschrift blickt auf vier Jahrzehnte engagierter Arbeit mit historischen Tasteninstrumenten zurück – von den ersten beruflichen Stationen bis hin zu einer international anerkannten Werkstatt, deren Instrumente Klangwelten vom klassischen Zeitalter bis zur Entstehung des modernen Klaviers erfahrbar machen.
Paul McNultys Weg zum Instrumentenbau war keineswegs geradlinig. Nach einer Ausbildung als Klaviertechniker in Boston stand zunächst die praktische Arbeit im Vordergrund: Wartung, Reparatur und das Verständnis bestehender Instrumente. Erst nach und nach rückte der Bau eigener Instrumente in den Mittelpunkt – ein Prozess, der von Lernen, Verantwortung und wachsendem Vertrauen geprägt war.
Frühe Begegnungen mit bedeutenden Musikerpersönlichkeiten und Ensembles erwiesen sich als prägend. In dieser Phase entstanden Instrumente, die nicht nur technische Herausforderungen darstellten, sondern auch den Beginn eines langfristigen Dialogs zwischen Instrumentenbauer und Interpret markierten. Daraus entwickelte sich ein Arbeitsansatz, der bis heute kennzeichnend für McNulty fortepianos ist: historische Genauigkeit, handwerkliche Präzision und eine enge Orientierung an den musikalischen Bedürfnissen der Ausführenden.
Mit zunehmender Nachfrage wurde deutlich, dass nachhaltiges Arbeiten im Bereich des historischen Instrumentenbaus auch organisatorische und strukturelle Lösungen erfordert. Die Erweiterung der Werkstatt und die Zusammenarbeit mit qualifizierten Mitarbeitern ermöglichten es, eine kontinuierliche Qualität zu sichern, ohne den individuellen Charakter jedes Instruments aufzugeben. Diese Balance zwischen handwerklicher Sorgfalt und praktischer Umsetzbarkeit bildet bis heute das Fundament der Werkstatt.
Eine zentrale Rolle in der heutigen und zukünftigen Entwicklung spielt Sergei Kramer. Seine Arbeit umfasst mehrere historische Modelle, darunter Instrumente nach Graf, Walter, Pleyel und weiteren Vorbildern. Ursprünglich als Schreiner ausgebildet und mit Erfahrung im Möbelbau und in der Klavierreparatur, fand er über die Arbeit bei McNulty fortepianos zum historischen Klavierbau und erweiterte dort schrittweise seine Kenntnisse in Mechanik und historisch informierter Konstruktion.
Eng verbunden mit der Werkstatt ist auch die Pianistin Viviana Sofronitsky. Als international tätige Musikerin bringt sie die Perspektive der Aufführungspraxis unmittelbar in die Arbeit ein und trägt wesentlich zur künstlerischen Ausrichtung, Kommunikation und langfristigen Entwicklung von McNulty fortepianos bei. Ihr Beitrag verbindet Instrumentenbau, Interpretation und Vermittlung auf natürliche Weise.
Das Interview zeichnet ein vielschichtiges Bild der Realität hinter dem historischen Klavierbau: von persönlichen Entscheidungen und beruflichen Wendepunkten bis hin zu Fragen der Weitergabe von Wissen und Verantwortung. Es verdeutlicht, dass jedes Instrument das Ergebnis nicht nur handwerklicher Arbeit, sondern auch langjähriger Erfahrung und Zusammenarbeit ist.
Concerto – Das Magazin für Alte Musik, Nr. 313 (3/2025) https://concerto-magazin.de/aktuelle-ausgabe/concerto-das-magazin-fuer-alte-musik-nr-313-3-2025.html
Die in diesem Gespräch behandelten Themen stehen in engem Zusammenhang mit jüngsten Aufführungen und Projekten mit McNulty-fortepianos weltweit, bei denen historische Instrumente weiterhin neue Perspektiven auf vertrautes Repertoire eröffnen.