Paul McNulty fortepianos
R.Brautigam - Beethoven vol.1 |
Ronald Brautigam http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?task=review&REID=3597&RECID=5063&CFID=1060843&CFTOKEN=99064780
Noch einen Zyklus mit Beethovens Klaviersonaten? Ist das
wirklich nötig? Die selbe Frage stellte sich vor kurzem, als das
schwedische Label BIS den ersten Teil der geplanten Beethoven-Sinfonien
veröffentlichte. Eben dieser Plattenverlag nimmt sich vor, alle
Klaviersonaten Beethovens einzuspielen und nimmt hier Projekte in Angriff,
deren wirtschaftlicher und künstlerischer Erfolg angesichts des
übergroßen Angebots an Alternativaufnahmen in den Sternen
steht. Lohnt es nun –vergleichbar mit der hervorragenden und neue
Seiten hervorkehrenden Aufnahme der Vierten und Fünften Sinfonie
– auch bei den Sonaten für Klavier eine weitere Einspielung
in den Plattenschrank zu stellen? Ja, unbedingt! Von der Tarantel gestochen Man mag vielleicht in Fragen der Tempogestaltung Bedenken anmelden, denn der erste Satz der c-Moll-Sonate op. 13 wird von Ronald Brautigam rasend schnell genommen: Das Thema gewinnt so einerseits ungekannte Vehemenz, andererseits wird es weniger in seinen Einzelelementen als vielmehr als großer Bogen erfassbar. Das allerdings scheint genau die Spielanweisung ‘Allegro di molto e con brio’ abzubilden, denn hier soll es nicht um dunkle Seelenqualen gehen, sondern um feurige Leidenschaft. Bemerkenswert scheint hier vor allem, wie es der Pianist schafft, auch bei diesem horrend schnellen Tempo die aberwitzig flotte Achtelbegleitung differenziert zu gestalten. Die Oktavbewegungen in der linken Hand versieht Brautigam mit kleinen dynamischen Steigerungen, die gerade bei langsameren Bewegungen in der rechten Hand die Spannung halten. Man hat den Eindruck, als dränge die freigesetzte Energie unaufhaltsam vorwärts. Auch den dritten Satz interpretiert Brautigam in sehr schnellem Tempo. Dass man trotzdem nicht den Eindruck gewinnt, der Pianist rase wie von einer Tarantel gestochen durch die Gegend, liegt vor allem an der von Brautigam erzeugten Spannung, die auch durch die Tempogestaltung erzeugt wird: Hier treten – wie schon angedeutet – nicht Einzelelemente des Satzes in den Vordergrund, sondern größere Abschnitte. So wird die Architektur in Spannungsbögen umgewandelt, die sich dem Hörer unmittelbar mitteilen. Feinste Technik Erreicht wird die ungeheuere Drastik und Spannung jedoch
nicht nur durch genaue Umsetzung der Spielanweisungen, sondern auch
durch Brautigams famose Klaviertechnik. Verschiedene Anschlagshärten
werden auf diesem Instrument sofort in fein schattierte Klänge
umgewandelt, das leicht ansprechende Fortepiano bringt das feinfühlige
Spiel Brautigams bestens zum Tragen. Vor allem klangliche Feinabstimmungen
werden hier möglich, die auf einem Konzertflügel nicht in
dem Maße zu realisieren sind. Kritik von Tobias Pfleger, 09.03.2005 |
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