Paul McNulty - Hammerklavier Werkstatt

 

R.Brautigam - Haydn Concertos

Ronald Brautigam
Franz Joseph HAYDN
Keyboard Concertos
BIS records
Kritik von Tobias Pfleger

Haydn als tanzwütiger Ungar
Kritik von Tobias Pfleger, 23.04.2005
Interpretation: ****
Klangqualität: ****
Repertoirewert: ***
Booklet: ****

http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?task=record&RECID=5625

Das Vorurteil, Haydns Musik sei spielerisch, leicht und doch eher was zum Nebenbei-Hören, hält sich erstaunlich lange. Allerdings kolportierten viele Orchester dieses Fehlurteil in ihren Konzerten, indem sie einen Einspiel-Haydn an die erste Stelle eines Sinfoniekonzerts setzten, worauf dann das Eigentliche, eine Bruckner-Sinfonie oder ähnliches folgen konnte. So richtig ernst nahm man Haydn als Komponisten jahrelang nicht. In den letzten Jahren machten sich einige Orchester, gerade auch aus dem Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis daran, das schiefe Bild von ‘Papa Haydn’ wieder gerade zu rücken.
In der Tradition dieses lohnenswerten Bemühens steht auch die vorliegende Aufnahme mit Klavierkonzerten Joseph Haydns. Der holländische Pianist und Hammerklaviervirtuose Ronald Brautigam nahm sich zusammen dem fabelhaften Concerto Copenhagen unter der Leitung von Lars Ulrik Mortensen einiger hervorragender Werke dieser Gattung an.

Mit Witz und ungeheuerem Elan

Seinen Ruf als bestes Ensemble für so genannte ‘Alte Musik’ in Skandinavien und international renommiertes Orchester unterstreicht das Concerto Copenhagen, auch ‘CoCo’ genannt, mit dieser Aufnahme sehr eindrucksvoll. Ungemein beweglich und voller Elan packen die Musiker Haydn an den Zöpfen und wirbeln ungestüm drauf los.
Das wohl bekannteste der hier aufgenommenen Werken dürfte das Konzert in D-Dur (Hob. XVIII/11) sein, dessen Finalsatz, mit ungarischer Würze versehen, einen quirligen Kehraus bildet. Das Concerto Copenhagen interpretiert dieses Werk mit spitziger Delikatesse und ungestümer Leidenschaft. Was diese Aufnahme jedoch besonders schmackhaft macht, ist die Anmut, mit der das Ensemble und der Solist zu Werke gehen. Akzente werden hier nie überbetont, Effekte knallen nicht hervor, sondern werden geistvoll in den Zusammenhang eingeordnet. Spannungsbögen können hier über lange Strecken entstehen, denn die Musiker unter der Leitung des Cembalisten Lars Ulrik Mortensen lassen Haydns Musik fließen, nehmen die Tempi flott, doch nie gehetzt, so dass größere Bögen von alleine entstehen.
Ronald Brautigam scheint ein sehr inniges Verhältnis zu Hammerklavieren zu haben, was einige Aufnahmen von ihm beweisen. Er kennt die Eigenarten und Vorzüge dieses Instruments bestens und setzt seine Virtuosität nicht vordergründig ein, sondern schafft durch sein subtiles, unprätentiöses Spiel eine Atmosphäre der gespannten Leichtigkeit. Hier wird nichts hingehudelt, doch auch nichts in die Breite getreten. Spielfiguren werden hier nie zur Hauptsache, sondern schmücken die melodischen Linien grazil aus. Auch dynamische Veränderungen setzt Brautigam sehr feinfühlig ein. Im zweiten Satz des D-Dur-Konzerts, ‘Un poco adagio’ überschrieben, lässt der Pianist seinen Flügel singen, die Nähe zur Opernarie wird hier sehr deutlich.

Aus einem Guss

Die Kommunikation von Solist und Ensemble ist durchweg sehr gut, alles wirkt wie aus einem Guss. Dynamische Schattierungen, kleinste Ritardandi, Phrasenabrundungen sind bestens aufeinander abgestimmt. Auch das Ensemble klingt in sich sehr homogen, vor allem die Streicher zeichnen sich durch einen feinfühlig modellierten Ton aus. Von kantabler Grazie bis zu tänzerischem Überschwang im letzten Satz des Konzerts D-Dur reicht das Ausdrucksspektrum dieses außergewöhnlich klar und geschmeidig agierenden Ensembles. Richtig knackig klingt der Einsatz der Hörner in besagtem Finalsatz; Mortensen scheut auch vor etwas ungehobelten Klangfarben nicht zurück und stellt Haydn als witzigen und tiefgründigen Komponisten seiner Zeit dar.
Ist dies noch dazu so fabelhaft aufgenommen wie hier, so werden die hier aufgenommenen Konzerte Haydns zu einem absoluten Leckerbissen. Subtile Klangfarben zeichnen diese Produktion aus, wunderschön samtiger Streicherklang bestimmt das F-Dur-Konzert. Die Transparenz dieser Aufnahme ist durchweg sehr gut, die Homogenität des Klangbildes vorbildlich. Da bleiben keine Wünsche offen – aus dem nach einer weiterer Aufnahme mit diesem flexiblen Ensemble in Kombination mit dem Hammerklaviervirtuosen Brautigam.

Kritik von Tobias Pfleger, 23.04.2005

 

 

 

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